— Paragraphien

YES TO ALL

„Schon das Begleitmaterial kokettiert mit dem Vorwurf der Prätention. ‚Pretentious art wank? Possibly‘, heißt es da. Doch wer in der Kunst das Wichsen ablehnt, hat den Kern der kreativen Obsession nicht verstanden. Domicile Conjugal zelebriert diese Obsession mit einer Akribie, die man heute oft vermisst. (…) Eine Topographie des Verlusts: Die EP ist eine Reise durch vier Stationen einer klanglichen De-Konstruktion.” // Some AI that I did pay for to write that

„Pretentious art wank? Possibly. But, as a big fan of art & wanking …“


Track 01: Sweet little Agony (Sweet Sweet)
Track 02: Sister Dew
Track 03: How to Disappear Completely
Track 04: Did anyone see my Cello bow?*


Album cover: Sylvie Fleury – Yes To All, Public Art Installation, Genève 2007.
Photo by Serge Fruehauf.


Please do listen with headphones


*Made of Horse Hair, of course

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Lijiang Sanyi

Der Flughafen von Lijiang besteht, wie die meisten chinesischen Inlandsflughäfen in ländlicher Gegend, aus einem abstrus monströsen Terminalgebäude, in diesem Fall größtenteils aus den Elementen „weiß gestrichener Beton“ und „bläulich schimmernde Glaspaneele“ komponiert, sowie einem aus genormten Asphaltplatten zusammengesetzten Rollfeld, auf dem vergilbte Grasbüschel, die aus schartigen Fugen sprießen, im lauen Wind des Hochplateaus die Beschaffenheit des gerade aktuell Vorhandenen abnicken.

Die groteske Überdimensionierung besagten Terminalgebäudes verdeutlicht sich in seinem Inneren – einem einzigen, mit rötlich schimmerndem Marmorimitat ausgekleideten Saal, in dem sich, verlorenen Hütten gleich, eine Sicherheitskontrolle mit genau einem Metalldetektor sowie ein zehn Quadratmeter großer Souvenirladen, dessen Sortiment hauptsächlich Plastikspielzeug und bemalte Raubvögel aus Ton beinhaltet, befinden – noch viel unleugbarer als von außen betrachtet, wo die Ausläufer des Himalaya und die Weite der Landschaft sie auf ein erträgliches Maß relativieren.

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Es klingelt an der Türe, ich öffne und Werner Herzog, Klaus Kinski sowie 200 peruanische Ureinwohner vom Stamme der Machiguenga stehen davor. Während Kinski grußlos an mir vorbei in den kleinen Raum der Gästetoilette geht, um diesen kniehoch mit Herbstlaub zu befüllen, welches er in einem Jutesack mitgebracht hat, proklamiert Herzog „Die Vögel singen nicht, sie schreien!“, um daraufhin die Ureinwohner ins Wohnzimmer zu führen, wo diese vermittels klobigen Werkzeugs die Wand zum Innenhof einreißen, in dem hinter der so erzeugten Öffnung ein alter, weißgestrichener Flussdampfer sichtbar wird. Während man im Folgenden damit beginnt, eine Art Rampe aus Erde zwischen Hof und Wohnzimmer aufzuschütten, nehme ich meine Schildkröte an die Leine und verschwinde grußlos, kurz noch begleitet vom lautstarken Rascheln hinter der Toilettentüre, im Treppenhaus.

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Käffchen?

Auf einen Kaffee mit…
ROBERT MENASSE

Robert Menasse (*1954) ist ein österreichischer Schriftsteller und Essayist. Für seinen Europaroman „Die Hauptstadt“ wurde er 2017 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

crescendo: Herr Menasse, am Beginn Ihres neuen Romans wird eine Sau durch Brüssel getrieben. Was hat es auf sich, mit diesem Tierchen?

Robert Menasse: Dies Tierchen ist natürlich metaphorischer Natur und deckt auf diese Art und Weise quasi vom Glücksschwein bis zur Drecksau alles ab, man kann von gut bis böse alles mit ihm in eine Beziehung setzen. Es kann von Schweinchen Schlau für Intelligenz stehen, ebenso wie es als Schimpfwort für politische Gegner genutzt werden kann. Zudem stimmen 98,8 Prozent seines Genmaterials mit dem des Menschen überein, was mich noch auf einer weiteren Ebene dazu gereizt hat, das Schwein im Prolog der „Hauptstadt“ auftreten zu lassen, in dem die Leser zum ersten Mal den Protagonisten begegnen.

Ich hatte zu dieser Szene auch sofort verschiedene Musiken in meinem inneren Ohr – angefangen bei der klassischen Zirkusmelodie. Wie verhält es sich denn bei Ihnen persönlich mit der Musik?

Nun, ich bin natürlich ein großer Musikliebhaber, aber das allein ist ja eher uninteressant. Interessant ist dabei vielleicht nur eines: Ich bin, glaube ich, einer der ganz wenigen Autoren, die mit Musik schreiben. Ich sitze also nicht in einem stillen Raum und schreibe, sondern ich sitze in einem Raum, in dem ich Musik auflege, die in einem Zusammenhang steht mit dem, was ich schreibe. Das wähle ich mir dann immer aus und sage: So, dies ist jetzt sozusagen der Soundtrack zu meiner Prosa.

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